Isabel Lopez-Kubben | Einblick in die Tätigkeit einer Urnenmalerin
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Einblick in die Tätigkeit einer Urnenmalerin

Einblick in die Tätigkeit einer Urnenmalerin

In meinem heutigen Blogartikel erzählt Susanne Auinger über ihre Tätigkeit als Urnenmalerin. Als ich Susanne kennenlernte spürte ich sofort eine tiefe Verbundenheit. Und wieder einmal wurde mir vor Augen geführt, wie wichtig es ist, sich mit der eigenen Sterblichkeit auseinanderzusetzen. Auch die Anregung sich über Bio Urnen und Naturbestattungen zu informieren finde ich einen wichtigen Aspekt in der heutigen Zeit!

Liebe Susanne, als ich von deiner Arbeit gehört hab war ich total begeistert. Du bist Künstlerin. Warum hast du dich auf das Bemalen von Urnen und Särgen spezialisiert?

Begonnen hat es vor ca.3 Jahren. Ich habe mir damals Fragen zu meinem eigenen Leben und Ableben gestellt. Unter anderem auch die Fragen: „Wie soll sich meine Verabschiedung gestalten?“ und „Wie möchte ich einmal bestattet werden?“ Ich wählte für mich eine Feuerbestattung und machte mich damals auf die Suche nach einer für mich passenden Urne. Eine Urne, die einen Teil meines Lebens wiederspiegeln sollte. Da ich ein sehr lebens- und farbenfroher Mensch bin, bevorzuge ich für mich eine bunte Biourne, wurde damals jedoch nicht fündig. So entstand die Idee, ein eigenes Motiv für meine Urne zu entwerfen. Kurze Zeit später entwickelte sich in mir der Wunsch, die Individualität in diesem Bereich auch anderen Menschen zugänglich machen zu wollen, sodass etwas ganz Persönliches entstehen kann.

2_Bioaschekapsel_Blatt_Interview

Welchen Bezug hast du selbst zum Thema Tod und Trauer?

Zum Tod habe ich mittlerweile einen sehr guten Bezug. Das war nicht immer so. Eine intensive Auseinandersetzung mit den Themen Leben und Tod wurde 2009 bei mir „ins Rollen gebracht“. Meine Mutter, zu der ich eine sehr enge Bindung hatte, verstarb. Als ich damals dieses sehr schmerzhafte Ereignis für mich reflektierte, bemerkte ich, dass in unserer Familie zuvor nicht über Tod und Sterben gesprochen wurde. Bis zu diesem Zeitpunkt habe ich also nie erfahren, natürlich damit umzugehen und konnte auch über den tiefen Schmerz in mir nicht sprechen. Meine Gefühle und Emotionen habe ich „tot geschwiegen“, was mir den Umgang mit meiner Trauer nicht erleichterte.  Aus diesem Erlebnis, möchte ich all Jenen, die den Tod ausschließlich als etwas Schreckliches sehen, nahelegen, sich mit dem eigenen Leben und Ableben auseinander zu setzen. Eine neue und andere Betrachtungsweise kann dadurch geschehen.

Gibt es ein spezielles Ereignis in deinem Leben das dich auf diesen Weg gebracht hat? Ein Schlüsselerlebnis?

Ja, da gibt es definitiv zwei Schlüsselerlebnisse! Das Erste hat, wie zuvor erzählt, mit dem Ableben meiner geliebten Mutter zu tun. Wochen vor ihrem Tod verbrachte sie in einem Krankenhaus, zuletzt auch auf der Palliativstation. Ich besuchte sie täglich. Tief in meinem Innersten spürte ich, dass unsere gemeinsamen Tage gezählt sind und dennoch wollte ich es nicht wahrhaben. An ihrem letzten Tag, als ich das Krankenhaus verlassen habe, spürte ich intuitiv, dass dies wohl mein letzter Besuch bei ihr war. Traurig fuhr ich damals nach Hause, zündete eine Kerze an und weinte mir „die Seele aus dem Leib“, bis ich erschöpft im Wohnzimmer einschlief. Frühmorgens, aus dem Schlaf gerissen, fiel mein Blick zu aller erst auf die Kerze. Die Flamme flackerte und im selben Moment kribbelte mein Körper. Ich hatte am ganzen Körper Gänsehaut und weinte. In diesem überraschenden Moment war meine Mutter für mich so präsent spürbar, dass ich wusste, dass sie nun gegangen ist. Ich deutete es als unseren Abschied. Minuten später bekam ich den Anruf, dass sie vor einigen Minuten verstorben ist.

Aber auch bei meinem Ausbildungsseminar „Jenseits- und Sterbebegleitung im neuen Bewusstsein“ bei Andrea Fuchs, durfte ich tiefgehende Erkenntnisse schöpfen.

Mein Leben hat sich unter anderem durch diese Erfahrungen sehr verändert. Heute bin ich der Meinung, dass, wenn der Tod mit Liebe anstatt Angst betrachtet wird, er eine ganz andere Bedeutung bekommt. So auch, dass für mich die Geburt nicht der Anfang und der Tod auch nicht das Ende ist.

Was inspiriert dich zu deinen Motiven?

Ich zeichne und male liebend gern intuitiv Mandalas. Das lässt mich im Gleichgewicht sein und zentriert mich. In Folge daraus, entstanden meine ersten Motive für die Urnen. „Der Schmetterling“ bedeutet für mich Leichtigkeit. „Das Blatt“, so wie ich es gemalt habe, Vergänglichkeit. „Die Taube“ steht für Freiheit und Frieden. usw. Meinem Gefühl nach habe ich jedoch auch einen „guten Draht“ zu dem, was für manche(n) nicht sichtbar ist. In mir bildet sich ein mit Gefühlen begleitetes inneres Bild, dass mich dann zum jeweiligen Motiv inspiriert. Ich vertraue meinem Gefühl und gestalte dann auf der Urne oder dem Sarg.

Erste Bio Aschekapsel

Wenn Angehörige über die verstorbene Person erzählen möchten, höre ich aufmerksam zu. Stelle manchmal, jedoch nicht immer, einfühlsam Fragen. Auch so kann eine Idee zur Gestaltung entstehen, die ich entweder gleich im Gespräch (kann auch ein Telefonat sein) mitskizziere oder etwas später als Erstentwurf zu Papier bringe. Der Erstentwurf kann anschließend abgestimmt und verfeinert werden und dann geht’s ans Bemalen und Gestalten.

Bei unserem Treffen erzähltest du voller Freude von dem Sarg in deinem Wohnzimmer den du gestalten durftest. Wie gehen Familie und Freunde mit deinem Beruf um?

🙂 Ja! – der Sarg in meinem Wohnzimmer. Das soll keine Dauerlösung sein. Ich wünsche mir in naher Zukunft ein Atelier bzw. einen würdevollen Raum, wo die Gestaltung stattfinden und ich auch Angehörige empfangen kann.

Damals ging der Wunsch, einen Sarg künstlerisch zu gestalten, in Erfüllung! Es sollte ein Sarg, so ganz anders wie all die Särge die ich bis dahin bei Bestattungsinstituten, Verabschiedungen und in Katalogen gesehen habe, werden. Ich habe das im Vorfeld mit meinem Sohn, der ja mit mir wohnt, besprochen. Erzählte ihm, dass ein Sarg für kurze Zeit in unserem Wohnzimmer stehen würde und ihn gefragt ob das für ihn in Ordnung wäre. Seine Antwort war: „Das stört mich nicht, solange niemand darin liegt!“ Ich musste über seinen lockeren Umgang damit schmunzeln.  Manchmal kam er während der Bemalung auch zu mir ins Wohnzimmer und sah kurz zu. Wir unterhielten uns auch über die Bemalung und welche Bedeutung das Motiv für mich hat.

Bei meinem Freundeskreis ist die Reaktion zu meiner Tätigkeit unterschiedlich. Manche sind mit mir begeistert, finden es toll und beauftragen mich zur Gestaltung ihrer Urne. Andere wiederum können nicht verstehen, dass ich dieser Tätigkeit nachgehe. Beide Reaktionen erlebe ich auch in Begegnungen mit Menschen bei Ausstellungen und Messen und sind total ok für mich. Ich respektiere die Meinung anderer. Auch die, die sich nicht mit meiner gleichen.

4_Fertige Wohnzimmer-Sarggestaltung_ausgestellt im Bestattungsinstitut

Gab es während deiner Urnengestaltungen ein besonderes Erlebnis, das dich geprägt hat?

Jede Urnen- und Sarggestaltung ist in liebevollen Gedanken an die verstorbene Person, etwas ganz Besonderes für mich. So besonders, wie jeder Mensch/ jede Seele selbst.

Wie läuft es ab, wenn man dich gerne beauftragen möchte? Welche Tipps hast du für Angehörige die sich so eine besondere Gestaltung wünschen?

Ich arbeite daran mit verschiedenen Bestattungsinstitutionen zu kooperieren. Grundsätzlich kann der Sarg und/oder die Urne von den Angehörigen beim Bestatter ausgesucht und bestellt werden. Davor ist es jedoch ratsam, mit mir Kontakt aufzunehmen um das Wunschmotiv zu besprechen. Im achtsamen Gespräch und Fragen zur verstorbenen Person, kann gemeinsam etwas ganz Persönliches und Individuelles entstehen. Aus meinem Empfinden trägt ein solches Gespräch manchmal auch ein kleines Stück zur Trauerbewältigung bei. Je nach Gestaltungsart und Motiv ist dann eben die Holzbeschaffenheit (helles oder dunkles Holz) bzw. das Material von Sarg und/oder Urne zu berücksichtigen. Der Gestaltungszeitraum richtet sich nach Auftragslage und Motivaufwand. Eine Sarggestaltung kann, nach Anlieferung und Abholung des Bestattungsinstitutes, in ca. zwei bis drei Tagen vollbracht sein. Bei einer Urnengestaltung drängt die Zeit nicht so sehr, da die Beisetzung auch nicht so rasch vollzogen sein muss. Da die Urnenbeisetzung jedoch in der Nachfrage steigt, variiert der Gestaltungszeitraum hier zwischen drei Tagen und einer Woche.

Ich arbeite sehr gerne mit natürlichen Materialien und entwickle mich hier stetig bei der Gestaltung weiter und so gibt es bei mir derzeit die Möglichkeit, bereits gestaltete Bio Aschekapseln und bald auch Biournen auszusuchen, die in Abstimmung mit dem Bestattungsinstitut für Naturbestattungen gut geeignet sind.

Als naturverbundener Mensch achte ich generell bei der Material- und Farbauswahl auf die geringstmögliche Belastung der Erde.

Deine offene Art und deine Lebensfreude haben mich sehr beeindruckt. Wie bleibst du so ausgeglichen?

Ich achte gut auf mich und wahre meine Grenzen. In meiner Freizeit umgebe ich mich und tausche mich mit Menschen aus, die mir gut tun. Fernsehen gibt’s für mich schon lange keines mehr und fehlt mir in keinster Weise. Mein „Fernseher“ ist die Natur, mit der ich mich gerne bei einem Spaziergang, im Wald oder noch lieber nahe dem Wasser verbinde. Das gibt mir Kraft und lässt mich ausgeglichen sein. Beim gemeinsamen Trommeln auf meiner Wildsau und meinem Hochlandrind bei Übungsabenden, spür ich mich besonders gut. Aber auch die Kreativität, das Gestalten von Mandalas, zeichnen, malen, und einiges mehr, bereiten mir viel Freude.

Einer meiner Lieblingssätze lautet:

„Du bist zuhause, wenn du in Freude bist!“

und nach diesem Motto versuche ich zu leben. Denn das Leben ist ein Geschenk! Ja und zu guter Letzt möchte ich die Dankbarkeit erwähnen. Ich übe mich in Dankbarkeit, in all dem, was mich umgibt und zur Verfügung steht.

Ich danke dir, liebe Isabel, für das Interview, dein Interesse an meinem Wirken und deine kostbare Zeit, die du zur Verfügung gestellt hast!

Herzlichen Dank liebe Susanne für deine wertvolle Arbeit und den Einblick in deine Tätigkeit. Ich wünsche dir weiterhin viel Freude bei deinem Wirken!

Urnenmalerin- Susanne

Susanne Auinger, Leonding

Künstlerin, Urnenmalerin

Webseite: www.herzlichkreativ.at