Lebenskunst Isabel | Trauer bei unerfülltem Kinderwunsch
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Trauer bei unerfülltem Kinderwunsch

06 Feb Trauer bei unerfülltem Kinderwunsch

Im heutigen Blogartikel spreche ich mit Namiah über Trauer bei unerfülltem Kinderwunsch. Namiah ist Kinderwunschbegleiterin und Autorin vom Buch „Freudensprung- Wie das Wunschkind leichter in dein Leben kommt“

Liebe Namiah, wie bist du zu deiner Berufung gekommen?

Heute schaue ich staunend und glücklich auf meinen Weg zurück. Damals, vor 15 Jahren, sah das schon ganz anders aus, ich kann mich gut erinnern … Ich konnte nicht schlafen und saß daher vor dem PC – auf der Suche nach alternativen Kinderwunschmethoden. Denn ich wünschte mir zu dieser Zeit nichts sehnlicher als ein Kind von meinem zweiten Mann. Ich hatte schon zwei Kinder, doch ein drittes Kind war mein größter Herzenswunsch. In dieser Nacht entdeckte ich, dass es Millionen von Kinderwunschpaaren gibt und viele Frauen genauso unglücklich sind wie ich. Eine Stimme in mir sagte: Werde Kinderwunschberaterin und heile damit deinen eigenen Schmerz.

 

Ein langer Weg folgte, in der ich Ausbildungen zum Thema Kinderwunsch machte und mir parallel ein eigenes Kind wünschte. Schmerzen in meinem Körper, weil er nicht so funktionierte, wie ich wollte, kenne ich also gut. Genauso wie die Trauer im Herzen, weil die Sehnsucht nach einem Baby mich quasi aufgefressen hat.

Mein eigener Kinderwunsch war eine intensive innere Schulung und schenkte mir am Ende die schönste Arbeit, die mich heute mit Freude erfüllt.

Frauen auf dem Weg zum Wunschkind zu begleiten, ist meine Passion. Ich entdecke Seelenanteile, die eingesammelt werden wollen, um ein neues Bild entstehen zu lassen. Und zwar ein Bild von einer Frau, die im Frieden ist mit ihrem Körper und ihrer Weiblichkeit – die sich traut, ihr Herz weit aufzumachen für die Kinderseele.

In deinem Buch „Freudensprung“ erzählst du über Seelenkommunikation. Welche Bedeutung hat sie in deinen Begleitungen?

Damals, in meiner eigenen Kinderwunschzeit, wusste ich nicht, wie ich eine Kinderseele wahrnehmen kann, wie ich mit meiner Aufmerksamkeit in mein Herz gehe und still werde. Mein Leben wurde von meinem Kopf gesteuert – in meinem eigenen Gedankengerüst gefangen, war ich in einer Sackgasse gelandet. Meine Lebensanschauungen, an denen ich mich bis dahin gut festhalten hatte, waren mit einem Mal futsch. Bisher waren Ziele für mich da, um sie erfolgreich umzusetzen. Nur mit dem Kinderwunsch wollte dieses Prinzip nicht klappen! Ich fühlte mich wie ein kleines Kind, dass hingefallen ist und mit blutigen Knien auf dem Boden liegt. Wieder aufgerappelt, machte ich mich auf den Weg und suchte mir Hilfe. Langsam und immer ein Stückchen mehr öffnete ich mein Herz, wurde feinfühliger und meine neue Wahrnehmung verblüffte mich selbst.

Die Seelensprache erlernte ich in meiner Ausbildung zur spirituellen Geburtsbegleiterin.

Mit einem Mal konnte ich mit dem ungeborenen Kind kommunizieren und noch mehr: Ich konnte auf diese Weise mit Kinderseelen Kontakt aufnehmen, die auf die Erde kommen möchten.

Allmählich zeigte sich, dass der Seelenkontakt eine besondere Fähigkeit von mir ist, die nun endlich wieder genutzt werden wollte.

Dieses Talent wäre womöglich für immer verborgen geblieben, hätte mein unerfüllter Kinderwunsch mich nicht darauf aufmerksam gemacht. Der eigene Kummer trieb mich an, immer tiefer in die Seelenkommunikation einzutauchen –  ihre vielfältigen Facetten zu erleben.

Eigentlich sagt der Kopf: Unmöglich, das kann doch gar nicht funktionieren!

Doch über die Herzensverbindung und Stille konnten bisher alle die Kinderseele wahrnehmen, die kommen möchte oder sich verabschiedet hat. Das ist Seelenkommunikation – für jeden erlernbar, und braucht keine besonderen Fähigkeiten. Versuchen wir die Sprache allerdings mit dem Verstand zu erfassen, funktioniert das nicht. Die Liebe ist der Code, um die Tür zu öffnen. Anfangs konnte ich auch nur einzelne Worte hören, mit täglichem Training entstanden aus den Worten Texte und irgendwann folgten die Farben und Klänge.

Jeder kann die Seelensprache lernen.

Das einzige, was es braucht, ist die Bereitschaft, das Herz zu öffnen und sich wie ein Kind auf etwas Neues einzulassen. Manchmal staune ich selbst, auf welche Entfernungen sie anwendbar ist – nämlich weltweit und grenzenlos. Zum großen Teil mache ich daher meine Behandlungen über Skype, und das ist jedes Mal eine spannende Erfahrung für die Frauen.

Eine berührende Geschichte

Eine Krankenschwester, die Komapatienten betreute, hat in einem Kurs die Seelensprache bei mir erlernt. Sie berichtete von einem Jungen, der schon 14 Jahre im Koma lag und den sie schon mehrere Jahre betreute. Wir sind mit der Seele des Jungen übers Herz in Verbindung gegangen und fühlten, dass er Sehnsucht hatte, in den Himmel zu gehen, nur den Absprung einfach nicht schaffte. Einige Male nahm sie über die Seelenebene Kontakt auf und kommunizierte mit ihm auf der nonverbalen Ebene. Nach relativ kurzer Zeit schlief dieser Junge friedlich und für immer ein.

Für mich persönlich war das eine tiefgehende Erfahrung. Wenn eine Seele wirklich gehört wird, dann passieren Dinge, die sich mit normalen Menschenverstand nicht erklären lassen.

Was möchtest du den Lesern mit auf den Weg geben, die aufgrund eines unerfüllten Kinderwunsches oder einer Fehlgeburt trauern?

Ich erlebe häufig, dass die Trauer beim Kinderwunsch versteckt wird, sich im Körper einen Platz sucht – meist im Herzen. Dort wird sie über viele Monate, Jahre getragen mit dem Gedanken: Wen interessiert das schon? Soll ich mich etwa vor meinen Kollegen outen, und mit Freunden und Bekannten ist eher peinlich drüber zu reden. Daher bleibt die Herzenstür zu, und das macht von Mal zu Mal einsamer. Wer es selbst noch nicht erlebt hat, kann das Meer an Tränen bei einem negativen Schwangerschaftstest oder bei jeder Babynachricht aus dem Umfeld nur erahnen. Wenn eine nahestehende Person stirbt, gehört die Trauer selbstverständlich dazu. Doch trauern um ein Kind, welches noch gar nicht da ist, ist für Außenstehende meist schwer zu verstehen.

Die vielen Momente, in denen ich dachte, dass ich schwanger bin und in dem Moment kam mit einem Schlag die Periode um die Ecke – ich kann mich gut daran erinnern. Es sind traurige und einsame Momente. Nach den ersten Stunden, wenn erstmal nichts anderes geht als Weinen, braucht es wieder einen neuen und bewussten Schritt, um ins Leben zu gehen. Für diesen Schritt empfehle ich bewusstes Atmen. Laut durch die Nase einatmen und kräftig ausatmen. Immer wieder. Denn der Atem stellt schnell und einfach wieder den Kontakt zum Körper her. Atmen befreit dich!

Was mir immer geholfen hat: rausgehen und laufen.

Bewegung bringt die Gefühle in Fluss. Es gab Tage, da konnte ich mich gar nicht mehr spüren.

Das Laufen war meine Rettung – jeder Schritt auf dem Boden gab mir Halt. Und ich bin gerannt, gejoggt, gewalkt, kilometerweit mit meiner Trauer und dem Schmerz. Mit dem Himmel habe ich geredet, geweint und manchmal konnte ich wieder lächeln. Sehr hilfreich ist es natürlich, sich eine Vertrauensperson oder Beraterin zu suchen, die zuhört und bei der alle Emotionen Raum bekommen können. Hinter jeder noch so großen Trauer befindet sich ein Tor für etwas ganz Neues. In dem Moment der massiven Trauer ist das zwar schwierig zu glauben, wenn ich jedoch bereit bin, mich in meine Trauer bis zum tiefsten Punkt fallenzulassen, dann ist das der Wendepunkt, von dem es kontinuierlich wieder aufwärtsgeht. Manchmal tauchen genau dann Menschen auf, die den richtigen Buchtipp haben, einen Arzt oder Heilpraktiker kennen … und genau diese Begegnungen können im Endeffekt zum Wunschbaby führen.

Trauer bei Fehlgeburt

Die Trauer bei einer Fehlgeburt passiert auf einer anderen Ebene. Das Baby war da, entweder ganz kurz oder sogar viele Monate. Eine Bindung zwischen Mutter und Kind ist schon gewachsen.

Und plötzlich ist es einfach weg!

Die Eltern stehen hilflos und alleine da, sie verstehen nicht warum ihr Kind wieder gegangen ist. Wie kann dieses Erlebnis jemals verarbeitet werden?

Für manche Paare beginnt jetzt eine lange Trauerphase und sie können sehr schwer den Verlust umgehen. Andere lassen den Verlust gar nicht an ihr Herz ran und gehen wieder schnell in ihr normales Leben zurück. Die Trauer bleibt jedoch tief versteckt und kommt meist erst heraus, wenn der Wunsch nach einem weiteren Kind da ist. Doch mit der Trauer wagt sich auch die Angst hervor: Was mache ich bloß, wenn auch dieses Kind nicht bleiben möchte? Große Selbstzweifel machen sich breit und zerstören damit auch das Vertrauen in den eigenen Körper.

In meiner Arbeit nehme ich zuallererst Kontakt mit der gegangenen Seele auf. Damit kann die Trauer sich nochmal zeigen und wird gleichzeitig leichter – sie verwandelt sich in Zuversicht. Ich finde es jedes Mal faszinierend, welche Auswirkung dieses Ritual auf das Leben und den Kinderwunsch hat. Nicht selten werden die Frauen nach der Behandlung schnell schwanger.
Es gibt noch eine ganz andere Form der Trauer, die nicht sein darf und verschwiegen wird: wenn eine Frau sich aus Verzweiflung zu einem Schwangerschaftsabbruch entschieden hat, egal aus welchen Gründen. Oft weiß sie schon nach kurzer Zeit, dass die Entscheidung falsch war, und bedauert es sehr. Die Betroffene fällt in ein tiefes Tal der Trauer, jedoch darf sie es nach außen auf keinen Fall zeigen. Wohin mit der Trauer? Sie bleibt verborgen und ist geheim, dafür bereitet sie umso mehr Seelenschmerzen im ganzen Körper. Wenn ich an der Trauergeschichte mit einer Frau arbeite, dann sehe ich die dunkle, schwere Mauer, die sie umgibt und nicht weichen möchte – die Schuld.

In diesen Fällen biete ich einer Frau an sich in meinen Schoß zu legen und zu weinen, solange zu weinen, wie sie mag, um der Trauer zu begegnen. Das ist der erste Schritt in eine neue Freiheit.

In der Trauer um ein ungeborenes Kind: Welche Unterschiede kannst du zwischen Männern und Frauen feststellen?

Wenn ich ehrlich bin kann ich die Frage nur einseitig beantworten. Leider ist bisher noch kein Mann zu mir kommen und wollte mit mir über seine Trauer reden. Die Frauen finden mich, weil sie erneut schwanger werden möchten, und kommen in den seltensten Fällen, um ihre Trauer zu verarbeiten. Erst in den Beratungen wird ihnen bewusst, dass die Fehlgeburt der Schlüssel zu ihrem Kinderwunsch ist. Die Angst vor einer weiteren Fehlgeburt ist meist riesig groß.

Ich habe schon sehr rührende Bilder gesehen, wo die Seele die Mutter energetisch in die Hand nimmt. Und ihr den Weg zur Seele zeigen möchte, die schon in Warteposition steht.

In diesen Momenten werde ich ganz still, dafür gibt es keine Worte. Von diesem Moment an können die Frauen den Verlust leichter annehmen und die Trauer verwandelt sich in Zuversicht. Ich weiß, dass sie dieses neue Gefühl auch auf die Männer überträgt.

 

Danke liebe Namiah für deine offenen Worte und weiterhin viel Freude bei deinen Begleitungen zum Wunschkind ♥

 

Namiah Beatrix Bauer ist spirituelle Kinderwunsch- und Geburtsbegleiterin und Mutter von zwei mittlerweile erwachsenen Kindern. Seit vielen Jahren begleitet sie Frauen auf dem Weg zu ihrem Wunschkind. In Seminaren und Einzelcoachings zeigt sie, wie jeder Kontakt zu der eigenen Seele und zu der eines Kindes aufnehmen kann. Im Februar 2017 erschien ihr erstes Buch „Freudensprung – Wie das Wunschkind leichter in dein Leben kommt“.

www.namiahbauer.de

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